Die Geschichte der Kampfküche


Man muß schon ein wenig weiter ausholen, um die Geschichte der Kampfküche ganz von Anfang zu erzählen.

1. Kapitel: Raul

Vor etwas mehr als 50 Jahren erblickte - in einem kleinen, nicht erwähnenswertem Kaff - Raul das Licht der Welt. Raul war der Erstgeborene des Dorfschmieds Gerad Kombüss - lassen wir, genau wie sein Vater es tat, seine drei älteren Schwestern mal außer Betracht. Als solcher war sein Leben selbstverständlich und ohne Frage vorbestimmt. Er würde ein großer Schmied, genau wie sein Vater, der Vater seines Vaters, der Vater des Vaters seines...

Bis hierher scheint die Geschichte weitestgehend unspektakulär und vorhersehbar, und der Leser erwartet jetzt eine Kindheit voller Hammerschwingen, Liegestütze und sonstiger körperlicher Ertüchtigung. Daran anschließend eine Beschreibung von Rauls Jugend, angefüllt mit rudimentären Kenntnissen zum Schmieden, einem gestählten und nur knapp mit Leder bekleideten Körper, Glut, Dampf, Feuer und Stahl usw.
Später dann wird er sich eine der Dorfschönheiten zur Frau nehmen, eine bis vier Töchter zeugen, bevor der ersehnte Sohn zur Welt kommt, naja und dann beginnt der ganze Mist von vorne!

Nicht so Raul! Zum Schrecken seines Vaters interessierte sich Raul mehr für den Herd der Mutter als für dessen Esse. Raul lernte die Namen von Kräutern und Gewürzen, und konnte Kupfer von Stahl nur deshalb unterscheiden, weil das eine besser zum kochen geeignet war. Den Hammer tauschte er mit der Suppenkelle und die Lederschürze gegen eine Solche aus weißem Leinen. Raul fühlte sich einigermaßen unverstanden von seinem Vater - was für einen guten Realitätssinn des Jungen sprach. Und so kam es, daß er in seiner frühen Jugend auszog um sein Glück als fahrender Koch zu suchen.

Raul wurde bekannt. Nicht nur für seine Kochkünste, sondern auch dafür, das er sich trefflich darauf verstand seine Haut gegen die Ungereimtheiten des Lebens zu verteidigen. Diese Ungereimtheiten, die ihm meist in Form von Wegelagerern gegenübertraten, mußten damit Bekanntschaft machen, daß auch ein verweichlichter Sohn eines Schmiedes, noch ein ordentliches Pfund austeilen kann!

2. Kapitel: Gründung

Raul wurde Vierzig, und hatte mittlerweile die Schnauze ordentlich voll davon alleine durch die Gegend zu ziehen, da verschlug es ihn in einen Landstrich der, von seinen Bewohnern, "Rhoihässe" genannt wurde. Ausgerechnet hier, wo man anscheinend so gar keine Sprachkultur oder gute Umgangsformen kannte, suchte er sich eine Gruppe junger Talente zusammen, die ihn tatkräftig unterstützen konnten.

Die Rhoihässisch Kampfküsch war geboren. Angetan vom Charisma ihres Chefkochs, folgten die jungen Leute "ihrem" Raul in die entlegensten Länder der bekannten Welt. Immer auf der Suche nach neuen Rezepten oder Orten, die aus dem kulinarischen Nichts zu retten waren. Viele Rezepte wanderten in Form ihrer Zutaten durch die Töpfe von Rauls Truppe, doch nur eines wurde von Raul vergöttert. Und ausgerechnet dieses sollte ihm zum Verhängnis werden. Die Buillabasse.
Raul starb an einer Fischvergiftung die er sich beim Verzehr einer Suppe zuzog die er zwar selbst zubereitet hatte, aber dummerweise waren zwischen kochen und essen mehr als drei Tage vergangen. Dem unvoreingenommen Betrachter mag an dieser Stelle auffallen, daß ein so brillianter Koch, wie Raul nunmal einer war, die Gefahren einer Fischsuppe bekannt sein müßten. Aber verehrte Leser, Raul war genauso unerschrocken beim essen seiner Leibspeise, wie beim Kampf gegen Rezeptdiebe oder Bratenmörder.

3. Kapitel: Der König ist tot, es lebe die Königin

Zwar saß der Schock über den Tot von Raul tief, aber "... es Feir im Oofe muss brenne!" Magret - auch liebevoll s`Magga genannt - ergriff den darniederliegenden Kochlöffel. In den nun folgenden Jahren bemühte sich die Kampfküche um Magga redlich darum, das Erbe von Raul in alle Länder der Mittellande zu tragen. Schnell konnte Sie die Leitung der Küche übernehmen, auch wenn sie manchmal - obwohl immer bemüht - nicht ganz an die guten Umgangsformen Rauls anknüpfen konnte. Entsprechende Gerüchte über den rüden Ton der Kampfküche müssen deshalb auch energisch zurück gewiesen werden ("Sonscht hätt isch diesch aach umgebumbt!") Auch das ein Schotte von den Kampfköchen einmal durch bloßen Anschreien dazu getrieben wurde sich selbst nieder zu schlagen, ist ganz klar auf dessen schwache Psyche und nicht auf rüdes Benehmen der Küche zurückzuführen. Auf ihren Reisen kamen die Rhoihässe durch Etraklin, Vinland, Zaroien und Aelm-Arthosia.

4. Kapitel: Nachahmer

Bei ihrem Aufenthalt in Aelm-Arthosia, der bis Dato einer der Letzten gewesen sein sollte, beeindruckten sie eine Gruppe, junger, frisch aus dem Militärdienst entlassener, Verrückter. Wieder einmal versuchten andere an den Erfolg und das Konzept der Kampfküche anzuknüpfen. Doch waren es diesmal nicht, dilettantische Verehrer oder mißgünstige Neider, sondern ebenso talentierte wie begeisterte Bewunderer. Nach dem großen Vorbild nannte man sich die "Aelm-Arthosische Kampfküche" und debütierte kurze Zeit später in Zaroien, auf den Spuren der Legende um Raul Kombüss.